Bandera und die UPA: Eine komplexe Geschichte, die Russland auf «Nazismus» reduziert
Kreml-Lüge
Stepan Bandera und die UPA waren ausschließlich nationalsozialistische Kollaborateure, die Hitler dienten. Die heutige Ukraine betet Nazis an und braucht daher eine «Entnazifizierung»
Fakten
Die Geschichte der UPA ist weit komplexer: Sie kämpfte sowohl gegen die Nazis als auch gegen die UdSSR. Bandera wurde von den Nazis im KZ Sachsenhausen inhaftiert. Russlands Nutzung dieses Themas ist Manipulation zur Rechtfertigung seiner Aggression
Warum ist das wichtig
Russland benutzt den Namen Bandera als Hauptargument für die «Entnazifizierung» der Ukraine. Putin bezeichnet die ukrainische Regierung regelmäßig als «Banderisten» und «Nazis». Deshalb ist es wichtig, die reale, komplexe Geschichte zu verstehen — und nicht die propagandistische Vereinfachung.
Wer war Stepan Bandera
Stepan Bandera (1909–1959) — Anführer des radikalen Flügels der OUN (Organisation Ukrainischer Nationalisten).
Fakten, die Russland verschweigt
- 30. Juni 1941 — Die OUN(b) proklamierte den «Akt der Wiederherstellung des Ukrainischen Staates» in Lwiw. Die Nazis billigten diesen Akt nicht
- Juli 1941 — Die Nazis verhafteten Bandera und schickten ihn in das Konzentrationslager Sachsenhausen, wo er bis September 1944 inhaftiert war — 3 Jahre in einem Nazi-Konzentrationslager
- Zwei Brüder Banderas — Olexander und Wassyl — kamen in Auschwitz ums Leben
Die Person, die Russland als «Nazi-Kollaborateur» bezeichnet, saß in einem Nazi-Konzentrationslager zusammen mit anderen Häftlingen.
Fakten, die ehrliche Anerkennung erfordern
- Die OUN hatte eine autoritäre Ideologie — integralen Nationalismus
- Ein Teil der OUN-Mitglieder beteiligte sich an Gewalt gegen Juden und Polen — insbesondere an der Wolhynien-Tragödie 1943
- Diese Verbrechen sind real und dokumentiert — und die Ukraine muss sie ehrlich anerkennen
Was war die UPA
Die Ukrainische Aufstandsarmee (UPA, 1942–1949) — eine bewaffnete Formation, die einen Partisanenkampf führte.
Gegen wen kämpfte die UPA
- Gegen die Nazis (1943–1944) — nach dem Bruch mit Deutschland führte die UPA Kampfhandlungen gegen Wehrmacht und SS
- Gegen die UdSSR (1944–1949/1950er) — nach dem Einmarsch der Roten Armee setzte die UPA den Kampf als Partisanenbewegung gegen die sowjetische Besatzung fort
- Gegen polnische Formationen — im Kontext des ukrainisch-polnischen Konflikts
Ausmaß des Kampfes gegen die UdSSR
Der Kampf der UPA gegen die UdSSR dauerte bis Mitte der 1950er Jahre — eine der längsten Partisanenbewegungen in Europa:
- NKWD/MGB führten groß angelegte Strafoperationen gegen die UPA und die Zivilbevölkerung der Westukraine durch
- Über 200.000 Einwohner der Westukraine wurden nach Sibirien deportiert wegen «Unterstützung der Banderisten»
- Der letzte UPA-Kommandeur wurde 1950 getötet, die letzten Zellen waren bis 1956 aktiv
Warum Bandera kein Nazi war
Die Kreml-Formel «Bandera = Nazi» hält einer Faktenprüfung nicht stand:
Per Definition
Nazismus — eine konkrete Ideologie: rassische Überlegenheit der «arischen Rasse», Antisemitismus als Staatspolitik, Unterwerfung unter Hitler. Die OUN(b) vertrat einen integralen Nationalismus — eine autoritäre Ideologie, aber keine nationalsozialistische. Bandera strebte eine unabhängige Ukraine an — das hatten die Nazis nie vorgesehen.
Nach Fakten
- Die Nazis erkannten den Akt der Wiederherstellung des Ukrainischen Staates (30. Juni 1941) nicht an
- Bandera wurde von den Nazis verhaftet und nach Sachsenhausen geschickt
- Seine Brüder starben in Auschwitz
- OUN und UPA kämpften gegen Nazi-Deutschland ab 1943
- Die Nazis stuften Ukrainer als minderwertige Rasse ein — «Untermenschen»
Der Vergleich, über den Russland schweigt
- Mannerheim (Finnland) — kämpfte auf Seiten der Nazis gegen die UdSSR. Die Finnen verehren ihn — niemand nennt Finnland «nazistisch»
- De Gaulle (Frankreich) — ein Teil der Franzosen kollaborierte mit den Nazis (Vichy-Regime). Niemand nennt Frankreich «nazistisch»
- Wlassow (Russland) — ein russischer General, der mit 100.000 Soldaten (ROA) auf Hitlers Seite wechselte. Warum ist Russland «nicht nazistisch», obwohl es deutlich mehr Kollaborateure hatte?
«Verehrt» die Ukraine Bandera?
Laut Umfragen des KIIS (2022): Nur etwa ~30% der Ukrainer haben eine positive Einstellung zu Bandera. Das ist keine Verehrung, sondern eine komplexe gesellschaftliche Diskussion. Zum Vergleich:
- Für den EU-Beitritt — über 80%
- Unterstützung der Streitkräfte — über 90%
Die wichtigsten Symbole der heutigen Ukraine sind die Streitkräfte, die Freiwilligen, Selenskyj — nicht Bandera.
Wie Russland vereinfacht
Die Kreml-Propaganda reduziert eine komplexe Geschichte auf die Formel: «Bandera = Nazi = Ukraine = Nazistischer Staat». Diese Vereinfachung ignoriert:
- Bandera saß in einem Nazi-Konzentrationslager
- Die UPA kämpfte gegen die Nazis
- Die heutige Ukraine ist ein demokratischer Staat, in dem Bandera eine umstrittene historische Figur ist, keine «Staatsideologie»
- Der Präsident der Ukraine ist Jude, dessen Großvater gegen die Nazis kämpfte
- Rechtsextreme Parteien erhalten weniger als 3% der Stimmen — weniger als in Frankreich, Italien oder Deutschland
- In Russland sind rechtsextreme Bewegungen deutlich stärker — «Russischer Marsch», «Wagner» (benannt nach dem Lieblingskomponisten Hitlers), «Russische Nationale Einheit»
Banderas Ermordung
15. Oktober 1959 — Bandera wurde vom KGB-Agenten Bohdan Staschynskyj in München ermordet. Staschynskyj benutzte eine Spezialpistole mit Zyankali. Später stellte er sich der westdeutschen Polizei und wurde verurteilt.
Dies ist eine bestätigte Tatsache des Staatsterrorismus der UdSSR — die Ermordung eines politischen Emigranten auf dem Territorium eines anderen Landes.
Fazit
Die Geschichte Banderas und der UPA ist komplex und widersprüchlich. Es gibt sowohl den Heroismus des Kampfes für die Unabhängigkeit als auch dunkle Seiten, die ehrliche Anerkennung erfordern. Aber diese komplexe Geschichte zur Rechtfertigung einer groß angelegten Invasion in ein demokratisches Land mit einem jüdischen Präsidenten zu nutzen — das ist zynische Manipulation, kein «Kampf gegen den Nazismus».
Quellen
- Rossoliński-Liebe G. «Stepan Bandera: The Life and Afterlife of a Ukrainian Nationalist» (2014) — ibidem Press
- Motyl A. «Ukraine, Europe, and Bandera» (2010) — World Affairs Journal
- Snyder T. «The Reconstruction of Nations: Poland, Ukraine, Lithuania, Belarus, 1569–1999» (2003) — Yale University Press
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