Der Holodomor ist Völkermord
Kreml-Lüge
Die Hungersnot von 1932–1933 war eine gesamtsowjetische Tragödie und keine gezielte Vernichtung der Ukrainer
Fakten
Der Holodomor war eine künstlich herbeigeführte Hungersnot, die gezielt gegen das ukrainische Volk gerichtet war. Er wurde von über 30 Ländern als Völkermord anerkannt
Worum geht es bei diesem Mythos?
Die russische Propaganda versucht systematisch, den völkermörderischen Charakter des Holodomor zu verharmlosen oder zu leugnen, indem sie ihn auf eine «gesamtsowjetische Hungersnot» reduziert, von der angeblich alle Völker der UdSSR gleichermaßen betroffen waren. Dies geschieht, um Moskau von der Verantwortung für die gezielte Vernichtung von Millionen Ukrainern freizusprechen.
Fakten, die den gezielten Charakter beweisen
Das «Ährengesetz»
Am 7. August 1932 wurde das Dekret des ZEK und des Rates der Volkskommissare der UdSSR «Über den Schutz des Eigentums staatlicher Betriebe, Kolchosen und Genossenschaften» erlassen, bekannt als das «Ährengesetz». Für den Diebstahl selbst weniger Ähren von einem Kolchosfeld drohte die Erschießung oder 10 Jahre Lager. Dieses Gesetz wurde besonders brutal gerade in der Ukraine angewandt.
«Schwarze Listen»
Ganze Dörfer in der Ukraine wurden auf «Schwarze Listen» gesetzt — ihnen wurde die Lieferung jeglicher Waren eingestellt, alles Getreide und alle Lebensmittel wurden konfisziert. Diese Praxis wurde massenhaft in der Ukraine und im Kuban (wo eine bedeutende ukrainische Bevölkerung lebte) angewandt.
Ausreiseverbot
Am 22. Januar 1933 erließen das ZK der WKP(b) und der Rat der Volkskommissare der UdSSR eine Direktive, die den Bauern der Ukraine und des Kuban verbot, ihre Regionen zu verlassen. Diese Anordnung galt nicht für andere Regionen der UdSSR, was den gezielten Charakter der Hungersnot gegen Ukrainer beweist.
Konfiskation aller Lebensmittel
In der Ukraine wurde den Bauern nicht nur Getreide weggenommen, sondern alle Lebensmittel — Fleisch, Gemüse, Eingemachtes. Spezielle Brigaden durchsuchten die Häuser und nahmen alles Essbare mit. Eine solche totale Konfiskation wurde in anderen Regionen der UdSSR nicht in diesem Ausmaß durchgeführt.
Was sagen die Forscher?
Raphael Lemkin (Schöpfer des Begriffs «Völkermord»)
Raphael Lemkin selbst, der den Begriff «Völkermord» ins Völkerrecht einführte, verfasste 1953 die Arbeit «Soviet Genocide in the Ukraine», in der er den Holodomor direkt als Völkermord am ukrainischen Volk qualifizierte. Lemkin identifizierte vier Bestandteile dieses Völkermords: die Vernichtung der ukrainischen Intelligenz, die Liquidierung der Ukrainischen Autokephalen Kirche, die Aushungerung der Bauernschaft und die Besiedlung der Ukraine mit nicht-ukrainischer Bevölkerung.
Robert Conquest
Der britische Historiker Robert Conquest untersuchte in seinem Buch «The Harvest of Sorrow» (1986) als einer der Ersten in der westlichen Geschichtsschreibung systematisch den Holodomor und kam zum Schluss über seinen künstlichen und gezielten Charakter. Conquest schätzte die Zahl der Opfer auf 5–7 Millionen Menschen.
Anne Applebaum
Die Pulitzer-Preisträgerin Anne Applebaum bewies in ihrem Buch «Red Famine: Stalin’s War on Ukraine» (2017) auf der Grundlage neu freigegebener sowjetischer Archive, dass die Hungersnot eine bewusste Politik Stalins war, gerichtet auf die Vernichtung der ukrainischen Bauernschaft als Grundlage der nationalen Identität.
Internationale Anerkennung
- Über 30 Länder haben den Holodomor als Völkermord am ukrainischen Volk anerkannt
- Das Europäische Parlament (2008) erkannte den Holodomor als Verbrechen am ukrainischen Volk an
- Eine gemeinsame Erklärung von 25 Ländern bei der UN (2003) erkannte den Holodomor als nationale Tragödie des ukrainischen Volkes an
- Die Opferzahl wird auf 3,5–7,5 Millionen Menschen geschätzt
Warum leugnet Russland?
Die Anerkennung des Holodomor als Völkermord bedeutet anzuerkennen, dass das sowjetische Regime (als dessen Nachfolger sich das heutige Russland betrachtet) die gezielte Vernichtung von Millionen Menschen aufgrund ihrer Nationalität verübte. Das zerstört den Mythos der «Völkerfreundschaft» und der «Brüderlichkeit», mit denen Russland seine Einmischung in die Angelegenheiten der Ukraine rechtfertigt.
Quellen
- Conquest R. «The Harvest of Sorrow: Soviet Collectivization and the Terror-Famine» (1986) — Oxford University Press
- Applebaum A. «Red Famine: Stalin's War on Ukraine» (2017) — Doubleday
- Кульчицький С.В. «Голодомор 1932–1933 рр. як геноцид: труднощі усвідомлення» (2008) — Наш час
- Lemkin R. «Soviet Genocide in the Ukraine» (1953) — Journal of International Criminal Justice
- UN General Assembly «Joint Statement on the Great Famine of 1932–1933 in Ukraine (Holodomor)» (2003)