«Boris Johnson verhinderte den Frieden»: Wie Russland die Verantwortung abwälzt
Kreml-Lüge
Im Frühjahr 2022 standen die Ukraine und Russland kurz vor der Unterzeichnung eines Friedensabkommens in Istanbul, aber Boris Johnson kam auf Anweisung der USA nach Kyjiw und zwang Selenskyj, den Frieden abzulehnen
Fakten
Die Ukraine entschied sich selbst gegen die Unterzeichnung des Abkommens, noch vor Johnsons Besuch. Die «Friedensbedingungen» sahen eine Kapitulation vor: Verzicht auf die NATO, Beschränkung der Armee, «Neutralitätsstatus» ohne echte Sicherheitsgarantien. Nach Butscha sank das Vertrauen in Russland auf null
Was in Istanbul geschah
Im März–April 2022 führten die Ukraine und Russland Verhandlungen in Istanbul. Es wurden Rahmenbedingungen diskutiert:
Was Russland forderte:
- Die Ukraine verzichtet auf den Beitritt zur NATO (für immer)
- Begrenzung der Truppenstärke und Bewaffnung
- «Neutralitätsstatus» — keine Militärbündnisse
- Anerkennung der Krim als russisch (oder «Aufschub» der Frage)
- «Sonderstatus» für den Donbas
- Demilitarisierung — Reduzierung der Armee auf ein Niveau, das Russland nicht bedroht
Was die Ukraine wollte:
- Sicherheitsgarantien von konkreten Ländern (Entsprechung zu Artikel 5 der NATO)
- Abzug aller russischen Truppen
- Wiederherstellung der territorialen Integrität
Warum das Abkommen nicht zustande kam
1. Butscha (1. April 2022)
Genau während der Verhandlungen sah die Welt Butscha — Massenmorde an Zivilisten. Das Vertrauen in jegliche «Garantien» Russlands sank auf null. Wie kann man ein Friedensabkommen mit einem Land unterzeichnen, das Zivilisten mit gefesselten Händen erschießt?
2. Bedingungen = Kapitulation
Die russischen «Friedensvorschläge» sahen vor: Die Ukraine verzichtet auf Armee, NATO und Souveränität — im Austausch für «Garantien» eines Landes, das bereits das Budapester Memorandum und die Minsker Abkommen verletzt hatte.
3. Arachamija: Die Entscheidung fiel vor Johnson
Dawyd Arachamija (Fraktionsvorsitzender von «Diener des Volkes», Verhandlungsteilnehmer) sagte in einem Interview 2023:
- Er bestätigte, dass Verhandlungen stattfanden
- Er stellte klar, dass die Ukraine sich selbst gegen die Unterzeichnung entschied — noch vor Johnsons Besuch
- Grund — fehlende echte Sicherheitsgarantien: Kein Garantieland war bereit, im Falle eines erneuten russischen Angriffs für die Ukraine zu kämpfen
4. Johnson: «totaler Unsinn»
Boris Johnson selbst nannte die Vorwürfe «total nonsense». Sein Besuch in Kyjiw (9. April 2022) hatte zum Ziel, Unterstützung auszudrücken, nicht «den Frieden zu verbieten».
Warum Russland dieses Narrativ fördert
- Verantwortung abwälzen — «wir wollten Frieden, aber man hat es euch nicht erlaubt»
- Westliche Unterstützung untergraben — «es ist der Westen, der Krieg führt, der die Ukraine nicht aufhören lässt»
- Butscha verbergen — ablenken davon, dass gerade Butscha den Frieden unmöglich machte
- Spaltung erzeugen — zwischen der Ukraine und ihren Verbündeten
Historische Parallele: Minsk
Russland hat bereits zweimal «Friedensabkommen» mit der Ukraine unterzeichnet — und beide Male gebrochen:
- Minsk-1 (2014) — innerhalb von Wochen verletzt
- Minsk-2 (2015) — zur Wiederaufrüstung genutzt
Merkel und Hollande räumten später ein, dass Minsk lediglich ein Deckmantel für die Vorbereitung war.
Ein drittes «Friedensabkommen» mit Russland ohne echte Garantien zu unterzeichnen — das ist die Definition von Wahnsinn: dasselbe tun und ein anderes Ergebnis erwarten.
Quellen
- Арахамія Д. «Інтерв'ю 1+1 про Стамбульські переговори» (2023)
- EUvsDisinfo «US and Boris Johnson forced Ukraine not to sign the peace deal in Istanbul» (2023)
- Foreign Affairs «The Talks That Could Have Ended the War in Ukraine» (2024)
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