Die Tragödie vom 2. Mai in Odessa: Was tatsächlich im Gewerkschaftshaus geschah

Zeitraum: Gegenwart Veröffentlicht: January 25, 2026
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Kreml-Lüge

Am 2. Mai 2014 verbrannten in Odessa 'ukrainische Nazis' friedliche pro-russische Aktivisten lebendig im Gewerkschaftshaus. Das ist ein 'Genozid' an Russischsprachigen, der die Notwendigkeit von Russlands 'Schutz' bewies

Fakten

Die Tragödie vom 2. Mai begann mit einem Angriff pro-russischer Milizen auf einen friedlichen Marsch, der zu Toten auf beiden Seiten führte. Der Brand im Gewerkschaftshaus war das Ergebnis chaotischer Auseinandersetzungen, keine geplante Operation. Die Organisatoren der separatistischen Bewegung entkamen ihrer Strafe und flohen nach Russland

Odesa Trade Unions Building after the fire of May 2, 2014
The Odesa Trade Unions Building after the May 2, 2014 fire, in which 48 people died. The tragedy resulted from a confrontation between pro-Ukrainian and pro-Russian groups Wikimedia Commons

Kontext: Was im Frühjahr 2014 in Odessa geschah

Die pro-russische Bewegung in Odessa

Nach der Annexion der Krim (März 2014) versuchte Russland, den Süden und Osten der Ukraine mit demselben Szenario wie im Donbas zu destabilisieren: Pro-russische Aktivisten besetzten Verwaltungsgebäude und forderten „Föderalisierung” oder Annexion durch Russland.

In Odessa war die sogenannte „Anti-Maidan” aktiv — eine organisierte pro-russische Bewegung:

  • Kulikowo-Feld (der Platz neben dem Gewerkschaftshaus) wurde zum ständigen Lager für pro-russische Aktivisten
  • Das Lager bestand seit März 2014 — Zelte, Barrikaden, pro-russische Symbole
  • Unter den Teilnehmern waren sowohl Einheimische als auch Koordinatoren aus Russland
  • Im Lager wurden offen Waffen, Molotow-Cocktails und Knüppel gesammelt

Die Chronologie des 2. Mai 2014

Morgen und Nachmittag: Eine geplante Provokation

Am 2. Mai 2014 war in Odessa ein Fußballspiel zwischen Tschornomorez (Odessa) und Metalist (Charkiw) angesetzt. Fans beider Mannschaften — die pro-ukrainisch eingestellt waren — planten einen gemeinsamen friedlichen Marsch für die ukrainische Einheit durch das Stadtzentrum.

Dieser Marsch war im Voraus bekannt — und das pro-russische Lager am Kulikowo-Feld bereitete sich auf eine Provokation vor.

15–16 Uhr: Angriff auf den friedlichen Marsch

Als die Kolonne von Fußballfans und pro-ukrainischen Aktivisten die Hretschka-Straße entlangzog, wurden sie von pro-russischen Milizionären angegriffen:

  • Der Angriff war koordiniert — Milizionäre kamen aus Seitenstraßen
  • Schusswaffen wurden eingesetzt — aus Pistolen und Jagdgewehren wurde in die Menge geschossen
  • Knüppel, Ketten und Molotow-Cocktails wurden eingesetzt
  • Die ersten Opfer starben — Teilnehmer des friedlichen Marsches wurden durch Schüsse getötet

Videoaufnahmen zeigen eindeutig: Die pro-russischen Milizionäre eröffneten als Erste das Feuer. Die UN-Menschenrechtsmission und das Internationale Beratungsgremium des Europarats bestätigten, dass die Gewalt von pro-russischer Seite ausging.

17–19 Uhr: Kämpfe verlagern sich zum Kulikowo-Feld

Nach dem Angriff in der Hretschka-Straße zog die aufgewühlte Menge pro-ukrainischer Aktivisten zum Kulikowo-Feld — zum „Anti-Maidan”-Lager, von dem aus die Aktionen der Milizionäre koordiniert worden waren.

Am Kulikowo-Feld begannen chaotische Auseinandersetzungen:

  • Beide Seiten warfen Molotow-Cocktails
  • Die Zelte des Lagers fingen Feuer
  • Einige pro-russische Aktivisten zogen sich ins Gewerkschaftshaus zurück

Der Brand im Gewerkschaftshaus

Das Gewerkschaftshaus fing Feuer als Folge von Molotow-Cocktails, die von beiden Seiten geworfen wurden:

  • Molotow-Cocktails wurden sowohl von außen nach innen als auch von innen nach außen geworfen — dies ist durch zahlreiche Videoaufnahmen dokumentiert
  • Im Gebäude befanden sich Vorräte an Molotow-Cocktails und anderen Waffen, die von Teilnehmern des „Anti-Maidan”-Lagers im Voraus vorbereitet worden waren
  • Das Feuer breitete sich schnell aufgrund der alten Holzkonstruktionen des Gebäudes aus

42 Menschen starben — überwiegend pro-russische Aktivisten, die sich im Gebäude befanden. Die meisten starben an Kohlenmonoxidvergiftung, einige beim Fallen aus Fenstern beim Fluchtversuch.

Rettungsaktionen

Ein Fakt, den russische Propaganda nie erwähnt: Viele pro-ukrainische Aktivisten retteten Menschen aus dem brennenden Gebäude:

  • Pro-ukrainische Aktivisten brachen Fenstergitter auf, damit Menschen fliehen konnten
  • Sie stellten Leitern und improvisierte Konstruktionen für die Evakuierung aus den Obergeschossen auf
  • Sie zogen Menschen aus dem Gebäude und leisteten erste Hilfe
  • Videos zeigen Menschen mit pro-ukrainischen Abzeichen, die Verletzten beider Seiten helfen

Insgesamt wurden über 350 Menschen aus dem Gebäude gerettet.

Opfer auf beiden Seiten

Gesamtzahl der Toten am 2. Mai: 48 Menschen

AnzahlUmstände
Bei Kämpfen in der Hretschka-Straße getötet6Durch Schusswunden (von beiden Seiten)
Im Gewerkschaftshaus getötet42Durch Kohlenmonoxidvergiftung, Verbrennungen, Stürze

Unter den in der Hretschka-Straße Getöteten waren pro-ukrainische Aktivisten, die von pro-russischen Milizionären erschossen wurden. Dieser Fakt wird von russischer Propaganda vollständig ignoriert.

Untersuchungen

Internationales Beratungsgremium des Europarats

2015 veröffentlichte das Internationale Beratungsgremium des Europarats einen detaillierten Bericht. Wichtigste Schlussfolgerungen:

  1. Die Gewalt wurde initiiert von pro-russischer Seite — der Angriff auf den friedlichen Marsch
  2. Die Polizei kam ihrer Pflicht nicht nach, friedliche Bürger zu schützen
  3. Der Brand war das Ergebnis chaotischer Auseinandersetzungen, keine geplante Brandstiftung
  4. Die Untersuchung war ineffektiv — die ukrainischen Behörden sorgten nicht für eine ordnungsgemäße Untersuchung

Wie Russland die Tragödie nutzt

Das Propagandanarrativ

Russische Propaganda verwandelte die Tragödie vom 2. Mai in eines ihrer Hauptinstrumente:

  • Kremlmedien nennen die Ereignisse den „Odessaer Chatyn” — Vergleich mit einem Nazi-Kriegsverbrechen
  • Die Opferzahl wird in der Propaganda künstlich aufgebläht — von „Hunderten” bis „Tausenden”
  • Der Kontext wird vollständig verfälscht — der Angriff pro-russischer Milizionäre auf den friedlichen Marsch wird nie erwähnt
  • Getötete pro-ukrainische Aktivisten werden ignoriert
  • Die Tatsache, dass pro-ukrainische Aktivisten Menschen retteten, wird unterdrückt

Wer in Russland Zuflucht gefunden hat

Eine bedeutende Anzahl von Organisatoren der pro-russischen Bewegung in Odessa floh nach Russland, wo sie als „Helden” empfangen wurden:

  • Anton Dawydtschenko — Koordinator des „Anti-Maidan”, floh nach den Ereignissen des 2. Mai nach Russland, wo ihm Asyl gewährt wurde
  • Einige erschienen in russischen Propagandasendungen als „Opfer des ukrainischen Nazismus”

Fazit

Die Tragödie vom 2. Mai in Odessa ist eine echte Tragödie, bei der echte Menschen starben. Aber sie ist nicht das, was russische Propaganda daraus macht.

Es war kein „Nazi-Pogrom”. Es war das Ergebnis einer geplanten Provokation pro-russischer Milizionäre, die außer Kontrolle geriet. Die Organisatoren dieser Provokation leben in Russland und treten in Propagandasendungen auf — anstatt vor Gericht für die von ihnen verursachten Tode zur Rechenschaft gezogen zu werden.

Russland will keine Gerechtigkeit für die am 2. Mai Gestorbenen. Russland will ihren Tod als Waffe benutzen.

Quellen

  1. UN Human Rights Monitoring Mission in Ukraine «Accountability for killings in Ukraine from January 2014 to May 2016» (2016)
  2. International Advisory Panel (Council of Europe) «Report on the Odesa events of 2 May 2014» (2015)

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