Die Tragödie vom 2. Mai in Odessa: Was tatsächlich im Gewerkschaftshaus geschah
Kreml-Lüge
Am 2. Mai 2014 verbrannten in Odessa 'ukrainische Nazis' friedliche pro-russische Aktivisten lebendig im Gewerkschaftshaus. Das ist ein 'Genozid' an Russischsprachigen, der die Notwendigkeit von Russlands 'Schutz' bewies
Fakten
Die Tragödie vom 2. Mai begann mit einem Angriff pro-russischer Milizen auf einen friedlichen Marsch, der zu Toten auf beiden Seiten führte. Der Brand im Gewerkschaftshaus war das Ergebnis chaotischer Auseinandersetzungen, keine geplante Operation. Die Organisatoren der separatistischen Bewegung entkamen ihrer Strafe und flohen nach Russland
Kontext: Was im Frühjahr 2014 in Odessa geschah
Die pro-russische Bewegung in Odessa
Nach der Annexion der Krim (März 2014) versuchte Russland, den Süden und Osten der Ukraine mit demselben Szenario wie im Donbas zu destabilisieren: Pro-russische Aktivisten besetzten Verwaltungsgebäude und forderten „Föderalisierung” oder Annexion durch Russland.
In Odessa war die sogenannte „Anti-Maidan” aktiv — eine organisierte pro-russische Bewegung:
- Kulikowo-Feld (der Platz neben dem Gewerkschaftshaus) wurde zum ständigen Lager für pro-russische Aktivisten
- Das Lager bestand seit März 2014 — Zelte, Barrikaden, pro-russische Symbole
- Unter den Teilnehmern waren sowohl Einheimische als auch Koordinatoren aus Russland
- Im Lager wurden offen Waffen, Molotow-Cocktails und Knüppel gesammelt
Die Chronologie des 2. Mai 2014
Morgen und Nachmittag: Eine geplante Provokation
Am 2. Mai 2014 war in Odessa ein Fußballspiel zwischen Tschornomorez (Odessa) und Metalist (Charkiw) angesetzt. Fans beider Mannschaften — die pro-ukrainisch eingestellt waren — planten einen gemeinsamen friedlichen Marsch für die ukrainische Einheit durch das Stadtzentrum.
Dieser Marsch war im Voraus bekannt — und das pro-russische Lager am Kulikowo-Feld bereitete sich auf eine Provokation vor.
15–16 Uhr: Angriff auf den friedlichen Marsch
Als die Kolonne von Fußballfans und pro-ukrainischen Aktivisten die Hretschka-Straße entlangzog, wurden sie von pro-russischen Milizionären angegriffen:
- Der Angriff war koordiniert — Milizionäre kamen aus Seitenstraßen
- Schusswaffen wurden eingesetzt — aus Pistolen und Jagdgewehren wurde in die Menge geschossen
- Knüppel, Ketten und Molotow-Cocktails wurden eingesetzt
- Die ersten Opfer starben — Teilnehmer des friedlichen Marsches wurden durch Schüsse getötet
Videoaufnahmen zeigen eindeutig: Die pro-russischen Milizionäre eröffneten als Erste das Feuer. Die UN-Menschenrechtsmission und das Internationale Beratungsgremium des Europarats bestätigten, dass die Gewalt von pro-russischer Seite ausging.
17–19 Uhr: Kämpfe verlagern sich zum Kulikowo-Feld
Nach dem Angriff in der Hretschka-Straße zog die aufgewühlte Menge pro-ukrainischer Aktivisten zum Kulikowo-Feld — zum „Anti-Maidan”-Lager, von dem aus die Aktionen der Milizionäre koordiniert worden waren.
Am Kulikowo-Feld begannen chaotische Auseinandersetzungen:
- Beide Seiten warfen Molotow-Cocktails
- Die Zelte des Lagers fingen Feuer
- Einige pro-russische Aktivisten zogen sich ins Gewerkschaftshaus zurück
Der Brand im Gewerkschaftshaus
Das Gewerkschaftshaus fing Feuer als Folge von Molotow-Cocktails, die von beiden Seiten geworfen wurden:
- Molotow-Cocktails wurden sowohl von außen nach innen als auch von innen nach außen geworfen — dies ist durch zahlreiche Videoaufnahmen dokumentiert
- Im Gebäude befanden sich Vorräte an Molotow-Cocktails und anderen Waffen, die von Teilnehmern des „Anti-Maidan”-Lagers im Voraus vorbereitet worden waren
- Das Feuer breitete sich schnell aufgrund der alten Holzkonstruktionen des Gebäudes aus
42 Menschen starben — überwiegend pro-russische Aktivisten, die sich im Gebäude befanden. Die meisten starben an Kohlenmonoxidvergiftung, einige beim Fallen aus Fenstern beim Fluchtversuch.
Rettungsaktionen
Ein Fakt, den russische Propaganda nie erwähnt: Viele pro-ukrainische Aktivisten retteten Menschen aus dem brennenden Gebäude:
- Pro-ukrainische Aktivisten brachen Fenstergitter auf, damit Menschen fliehen konnten
- Sie stellten Leitern und improvisierte Konstruktionen für die Evakuierung aus den Obergeschossen auf
- Sie zogen Menschen aus dem Gebäude und leisteten erste Hilfe
- Videos zeigen Menschen mit pro-ukrainischen Abzeichen, die Verletzten beider Seiten helfen
Insgesamt wurden über 350 Menschen aus dem Gebäude gerettet.
Opfer auf beiden Seiten
Gesamtzahl der Toten am 2. Mai: 48 Menschen
| Anzahl | Umstände | |
|---|---|---|
| Bei Kämpfen in der Hretschka-Straße getötet | 6 | Durch Schusswunden (von beiden Seiten) |
| Im Gewerkschaftshaus getötet | 42 | Durch Kohlenmonoxidvergiftung, Verbrennungen, Stürze |
Unter den in der Hretschka-Straße Getöteten waren pro-ukrainische Aktivisten, die von pro-russischen Milizionären erschossen wurden. Dieser Fakt wird von russischer Propaganda vollständig ignoriert.
Untersuchungen
Internationales Beratungsgremium des Europarats
2015 veröffentlichte das Internationale Beratungsgremium des Europarats einen detaillierten Bericht. Wichtigste Schlussfolgerungen:
- Die Gewalt wurde initiiert von pro-russischer Seite — der Angriff auf den friedlichen Marsch
- Die Polizei kam ihrer Pflicht nicht nach, friedliche Bürger zu schützen
- Der Brand war das Ergebnis chaotischer Auseinandersetzungen, keine geplante Brandstiftung
- Die Untersuchung war ineffektiv — die ukrainischen Behörden sorgten nicht für eine ordnungsgemäße Untersuchung
Wie Russland die Tragödie nutzt
Das Propagandanarrativ
Russische Propaganda verwandelte die Tragödie vom 2. Mai in eines ihrer Hauptinstrumente:
- Kremlmedien nennen die Ereignisse den „Odessaer Chatyn” — Vergleich mit einem Nazi-Kriegsverbrechen
- Die Opferzahl wird in der Propaganda künstlich aufgebläht — von „Hunderten” bis „Tausenden”
- Der Kontext wird vollständig verfälscht — der Angriff pro-russischer Milizionäre auf den friedlichen Marsch wird nie erwähnt
- Getötete pro-ukrainische Aktivisten werden ignoriert
- Die Tatsache, dass pro-ukrainische Aktivisten Menschen retteten, wird unterdrückt
Wer in Russland Zuflucht gefunden hat
Eine bedeutende Anzahl von Organisatoren der pro-russischen Bewegung in Odessa floh nach Russland, wo sie als „Helden” empfangen wurden:
- Anton Dawydtschenko — Koordinator des „Anti-Maidan”, floh nach den Ereignissen des 2. Mai nach Russland, wo ihm Asyl gewährt wurde
- Einige erschienen in russischen Propagandasendungen als „Opfer des ukrainischen Nazismus”
Fazit
Die Tragödie vom 2. Mai in Odessa ist eine echte Tragödie, bei der echte Menschen starben. Aber sie ist nicht das, was russische Propaganda daraus macht.
Es war kein „Nazi-Pogrom”. Es war das Ergebnis einer geplanten Provokation pro-russischer Milizionäre, die außer Kontrolle geriet. Die Organisatoren dieser Provokation leben in Russland und treten in Propagandasendungen auf — anstatt vor Gericht für die von ihnen verursachten Tode zur Rechenschaft gezogen zu werden.
Russland will keine Gerechtigkeit für die am 2. Mai Gestorbenen. Russland will ihren Tod als Waffe benutzen.
Quellen
- UN Human Rights Monitoring Mission in Ukraine «Accountability for killings in Ukraine from January 2014 to May 2016» (2016)
- International Advisory Panel (Council of Europe) «Report on the Odesa events of 2 May 2014» (2015)
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