Die Orangene Revolution von 2004 war keine 'westliche Verschwörung'
Kreml-Lüge
Die Orangene Revolution wurde von der CIA und dem US-Außenministerium organisiert, um die Ukraine von Russland wegzureißen. Die Ukrainer hatten keinen eigenen Willen — sie wurden mit Nudlands Keksen 'gekauft'
Fakten
Die Orangene Revolution war ein Massenprotest gegen Wahlbetrug, getragen von Millionen Ukrainern, die in der Kälte auf die Straße gingen, um ihre Stimme zu verteidigen
Worum geht es bei diesem Mythos?
Der Kreml behauptet, „Farbenrevolutionen” im postsowjetischen Raum seien „westliche Technologien” zur Installation von „Marionettenregimen”. Die Orangene Revolution von 2004 wird als „erster Maidan” dargestellt, organisiert von der CIA und finanziert von George Soros, wobei den Ukrainern Orangen und Dollars in die Hand gedrückt worden seien.
Diese Version übersieht das Wesentliche: Millionen Ukrainer gingen auf die Straße, um gegen die flagrante Wahlfälschung zu protestieren — und sie gewannen.
Was wirklich geschah?
Die Präsidentschaftswahlen 2004
Die Kandidaten waren:
- Viktor Juschtschenko — pro-westlicher Kandidat, ehemaliger Premierminister und Notenbankchef
- Viktor Janukowytsch — der Kandidat des Establishments, vom Kreml unterstützt, zweimal vorbestraft (Raub und Körperverletzung)
Die Vergiftung Juschtschenkos
Am 5. September 2004 wurde Juschtschenko mit Dioxin vergiftet. Die Dioxinkonzentration in seinem Blut überstieg den Normwert um das 50.000-fache. Juschtschenkos Gesicht wurde entstellt — es wurde zum Symbol des schmutzigen Wahlkampfs.
Die Fälschung der zweiten Runde (21. November 2004)
Die zweite Runde wurde zum massiven Wahlbetrug:
- Die Wahlbeteiligung in einigen Bezirken des Oblast Donezk erreichte 127 % — eine physisch unmögliche Zahl
- Die OSZE-Mission stellte offiziell fest, dass die Wahlen demokratischen Standards nicht entsprachen
- Putin gratulierte Janukowytsch zweimal — bevor die offiziellen Ergebnisse bekannt gegeben wurden
Der Volksaufstand
Am 22. November 2004 versammelten sich eine Million Menschen auf dem Maidan. Die Proteste dauerten 17 Tage bei Minustemperaturen an:
- Friedlicher Charakter — keine Gewalttaten der Protestierenden
- Massenbeteiligung — täglich 500.000 bis 1.000.000 Menschen auf dem Maidan
- Selbstorganisation — Zelte, Feldküchen, Bühne, Tonanlage
Das Urteil des Obersten Gerichts
Am 3. Dezember 2004 erklärte der Oberste Gerichtshof der Ukraine die Ergebnisse der zweiten Runde für ungültig und ordnete eine Wiederholung der zweiten Runde für den 26. Dezember an.
26. Dezember 2004 — Wiederholungswahl. Ergebnis: Juschtschenko — 51,99 %, Janukowytsch — 44,20 %. Internationale Beobachter erklärten die Wahl für fair.
Widerlegung der „Verschwörungstheorie”
„Westliche Finanzierung”
Westliche Stiftungen finanzierten tatsächlich Programme zur Entwicklung der Zivilgesellschaft in der Ukraine — Schulung von Wahlbeobachtern, Unterstützung unabhängiger Medien. Das ist Standardpraxis weltweit.
Russland hingegen gab erheblich mehr für die Unterstützung Janukowytschs aus — direkte Kremlunterstützung, Putins Besuche, Propaganda.
„Erkaufte Protestierende”
Die Vorstellung, eine Million Menschen könnten „erkauft” werden, um 17 Tage in der Kälte zu stehen, ist absurd:
- Menschen kamen aus ganz der Ukraine auf eigene Kosten
- Sie standen bei -10 bis -15 Grad Celsius Tag für Tag
- Das war spontane Volkswut über den Diebstahl ihrer Stimmen
Was der Kreml tatsächlich tat
- Putin besuchte die Ukraine persönlich zweimal während des Wahlkampfs
- Russische politische Technologen arbeiteten direkt im Wahlkampfstab Janukowytschs
- Russische Medien führten eine massive Propagandakampagne zu Gunsten Janukowytschs
Die Bedeutung der Orangenen Revolution
Für die Ukraine
- Der erste friedliche Machtwechsel durch Massenvolksprotest
- Beweis, dass Ukrainer in der Lage sind, ihre demokratische Wahl zu verteidigen
Für Russland
- Ein Trauma für den Kreml — Putin betrachtete die Ukraine als „sein” und war erschüttert vom „Kontrollverlust”
- Der Beginn des Kurses hin zur gewaltsamen Konfrontation mit dem Westen
Die Orangene Revolution war keine „CIA-Verschwörung”. Es war eine Million Ukrainer, die in der Kälte auf die Straße gingen und sagten: „Unsere Stimme gehört uns. Ihr habt kein Recht, sie zu stehlen.”
Quellen
- Wilson A. «Ukraine's Orange Revolution» (2005) — Yale University Press
- Åslund A., McFaul M. «Revolution in Orange: The Origins of Ukraine's Democratic Breakthrough» (2006) — Carnegie Endowment for International Peace
- OSCE/ODIHR «Ukraine Presidential Election 2004: Final Report» (2004)
Verwandte Artikel
Das Referendum von 1991 — Ukraines legitime Unabhängigkeit
Widerlegung des Mythos, die ukrainische Unabhängigkeit sei zufällig gewesen. Ergebnisse des Referendums von 1991: 90,32 % für die Unabhängigkeit in jeder Region ohne Ausnahme.
Euromaidan — Revolution der Würde, kein «Nazi-Putsch»
Widerlegung des Mythos vom «Staatsstreich» in der Ukraine 2013–2014. Der Euromaidan war eine Volksrevolution, ausgelöst durch die Absage der Europaintegration und die brutale Niederschlagung.
Wjatscheslaw Tschornowil: Der Tod eines Führers, der die Ukraine hätte verändern können
Der Tod von Wjatscheslaw Tschornowil: Dissident, Ruch-Anführer, Präsidentschaftskandidat — ermordet oder bei einem Verkehrsunfall gestorben? Verdächtige Umstände und politischer Kontext.