Die russische Sprache: ein finno-ugrisches Substrat unter slawischer Hülle

Zeitraum: Kiewer Rus Veröffentlicht: January 12, 2026
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Kreml-Lüge

Die russische Sprache ist der direkte Erbe der alten slawischen Sprache, während Ukrainisch und Belarussisch nur ihre 'Dialekte' sind, die durch polnischen und anderen Einfluss korrumpiert wurden

Fakten

Die russische Sprache wurde durch finno-ugrische und türkische Sprachen tiefgreifend beeinflusst und hat sich weit von der urslawischen Basis entfernt. Das Ukrainische hat deutlich mehr archaische slawische Merkmale bewahrt als das Russische

Der Hauptmythos: „Russisch = slawische Sprache”

Die russische Propaganda hat jahrhundertelang die Idee verbreitet, dass Russisch der direkte Erbe der altrussischen (altslawischen) Sprache ist, während Ukrainisch und Belarussisch „verdorbene” Versionen sind. Dies ist ein grundlegender Irrtum, der durch linguistische Analyse leicht zu widerlegen ist.

In Wirklichkeit:

  • Ukrainisch bewahrte deutlich mehr archaische slawische Merkmale
  • Russisch wurde tiefgreifend von finno-ugrischen Sprachen (Merja, Muroma, Meschtschera) und türkischen Sprachen (Goldene Horde) beeinflusst
  • Modernes Schriftrussisch ist weitgehend ein künstliches Konstrukt des 18.–19. Jahrhunderts

Das finno-ugrische Substrat

Wer lebte auf dem Gebiet der Moskauer Fürstentümer vor den Slawen?

Das Gebiet des modernen Zentralrusslands (Moskau, Wladimir, Jaroslawl, Kostroma, Twer) war vor der slawischen Besiedlung von finno-ugrischen Stämmen bewohnt:

  • Merja — Jaroslawl, Kostroma, Wladimir
  • Muroma — untere Oka (die Stadt Murom bewahrt den Stammesnamen)
  • Meschtschera — Meschtschera-Niederung (Rjasan)

Ortsnamen: die finno-ugrische Karte Russlands

Die offensichtlichsten Belege für das finno-ugrische Substrat sind die geographischen Namen Zentralrusslands:

  • Moskwa — aus dem Finno-Ugrischen moska („Bär”) oder va („Wasser”). KEIN slawischer Name
  • Oka — aus dem Finno-Ugrischen joki („Fluss”). Vgl. finn. joki, estn. jõgi
  • Kljasma, Kostroma, Wologda — alle finno-ugrischen Ursprungs

Finno-ugrische Merkmale im Russischen

Phonetik:

  • Akanje (unstressiertes „o” → „a”: Moskwa → [maskva]) — Merkmal des finno-ugrischen Substrats, nicht urslawisch. Ukrainisch bewahrt klares „o”

Grammatik:

  • Fehlen des Vokativs — im Urslawischen vorhanden. Ukrainisch bewahrt ihn (Ivane! Oksano! Bozhe!). Russisch verlor ihn
  • Konstruktion „u menja jest” (Ich habe = „bei mir ist”) — Parallelen zu finno-ugrischen Konstruktionen. Ukrainisch bewahrt „ja maju” (Ich habe)

Türkischer Einfluss

Die Goldene Horde: 240 Jahre

Das Moskauer Fürstentum stand von 1240 bis ~1480 unter der Herrschaft der Goldenen Horde — 240 Jahre:

Türkische Entlehnungen im Russischen (im Ukrainischen fehlend oder viel seltener):

  • dengi (Geld) — aus türk. tanga. Ukrainisch — hroshi (aus dem Tschechischen)
  • tamoschnja (Zoll) — aus türk. tamga. Ukrainisch — mytnyzja
  • kasna (Schatzkammer) — aus türk. khazna
  • bogatyr (Held) — aus türk. baatur. Ukrainisch — lytzar, wytjas
  • karaul (Wache) — aus türk. qaraul. Ukrainisch — warta

Was die ukrainische Sprache bewahrte

MerkmalUrslawischUkrainischRussisch
VokativVorhandenJa (Ivane! Bozhe!)Nein
PlusquamperfektVorhandenJaNein
Frikativ [h]VorhandenJaDurch Plosiv [g] ersetzt
Klares „o”VorhandenJaReduziert (Akanje)
„Ja maju” (Ich habe)VorhandenJa„U menja jest”

Kirchenslawisch ≠ Russisch

Das Altkirchenslavische wurde von Kyrill und Method im 9. Jahrhundert auf Basis südslavischer Dialekte (Altbulgarisch/Altmazedonisch) geschaffen. Es war nie die Umgangssprache der Moskauer oder Kiewer Bevölkerung.

Im 17.–18. Jahrhundert wurde das literarische Russisch bewusst massiv mit Kirchenslawismen angereichert. Ergebnis: modernes Schriftrussisch ist eine Mischung aus dem Moskauer Dialekt (mit finno-ugrischem Substrat) und dem Kirchenslawischen (Altbulgarisch).

Fazit

Die russische Sprache ist keine „reine slawische Sprache” und nicht der „direkte Erbe der altrussischen Sprache”. Sie entstand aus:

  1. Einem finno-ugrischen Substrat — auf Gebiet, wo Slawen die lokale Bevölkerung assimilierten
  2. Einem türkischen Superstrat — 240 Jahre unter der Goldenen Horde
  3. Künstlicher Kirchenslawisierung — bewusste Anreicherung mit altbulgarischem Wortschatz

Ukrainisch entwickelte sich hingegen innerhalb des slawischen Sprachkontinuums und bewahrte archaische urslawische Merkmale.

Die Behauptung, „Ukrainisch ist ein Dialekt des Russischen”, ist daher linguistischer Unsinn. Gemessen an der Zahl bewahrter urslawischer Merkmale ist Ukrainisch weit mehr „slawisch” als Russisch.

Quellen

  1. Shevelov G.Y. «A Historical Phonology of the Ukrainian Language» (1979) — Carl Winter Universitätsverlag
  2. Sussex R., Cubberley P. «The Slavic Languages» (2006) — Cambridge University Press

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