Die russische Sprache: ein finno-ugrisches Substrat unter slawischer Hülle
Kreml-Lüge
Die russische Sprache ist der direkte Erbe der alten slawischen Sprache, während Ukrainisch und Belarussisch nur ihre 'Dialekte' sind, die durch polnischen und anderen Einfluss korrumpiert wurden
Fakten
Die russische Sprache wurde durch finno-ugrische und türkische Sprachen tiefgreifend beeinflusst und hat sich weit von der urslawischen Basis entfernt. Das Ukrainische hat deutlich mehr archaische slawische Merkmale bewahrt als das Russische
Der Hauptmythos: „Russisch = slawische Sprache”
Die russische Propaganda hat jahrhundertelang die Idee verbreitet, dass Russisch der direkte Erbe der altrussischen (altslawischen) Sprache ist, während Ukrainisch und Belarussisch „verdorbene” Versionen sind. Dies ist ein grundlegender Irrtum, der durch linguistische Analyse leicht zu widerlegen ist.
In Wirklichkeit:
- Ukrainisch bewahrte deutlich mehr archaische slawische Merkmale
- Russisch wurde tiefgreifend von finno-ugrischen Sprachen (Merja, Muroma, Meschtschera) und türkischen Sprachen (Goldene Horde) beeinflusst
- Modernes Schriftrussisch ist weitgehend ein künstliches Konstrukt des 18.–19. Jahrhunderts
Das finno-ugrische Substrat
Wer lebte auf dem Gebiet der Moskauer Fürstentümer vor den Slawen?
Das Gebiet des modernen Zentralrusslands (Moskau, Wladimir, Jaroslawl, Kostroma, Twer) war vor der slawischen Besiedlung von finno-ugrischen Stämmen bewohnt:
- Merja — Jaroslawl, Kostroma, Wladimir
- Muroma — untere Oka (die Stadt Murom bewahrt den Stammesnamen)
- Meschtschera — Meschtschera-Niederung (Rjasan)
Ortsnamen: die finno-ugrische Karte Russlands
Die offensichtlichsten Belege für das finno-ugrische Substrat sind die geographischen Namen Zentralrusslands:
- Moskwa — aus dem Finno-Ugrischen moska („Bär”) oder va („Wasser”). KEIN slawischer Name
- Oka — aus dem Finno-Ugrischen joki („Fluss”). Vgl. finn. joki, estn. jõgi
- Kljasma, Kostroma, Wologda — alle finno-ugrischen Ursprungs
Finno-ugrische Merkmale im Russischen
Phonetik:
- Akanje (unstressiertes „o” → „a”: Moskwa → [maskva]) — Merkmal des finno-ugrischen Substrats, nicht urslawisch. Ukrainisch bewahrt klares „o”
Grammatik:
- Fehlen des Vokativs — im Urslawischen vorhanden. Ukrainisch bewahrt ihn (Ivane! Oksano! Bozhe!). Russisch verlor ihn
- Konstruktion „u menja jest” (Ich habe = „bei mir ist”) — Parallelen zu finno-ugrischen Konstruktionen. Ukrainisch bewahrt „ja maju” (Ich habe)
Türkischer Einfluss
Die Goldene Horde: 240 Jahre
Das Moskauer Fürstentum stand von 1240 bis ~1480 unter der Herrschaft der Goldenen Horde — 240 Jahre:
Türkische Entlehnungen im Russischen (im Ukrainischen fehlend oder viel seltener):
- dengi (Geld) — aus türk. tanga. Ukrainisch — hroshi (aus dem Tschechischen)
- tamoschnja (Zoll) — aus türk. tamga. Ukrainisch — mytnyzja
- kasna (Schatzkammer) — aus türk. khazna
- bogatyr (Held) — aus türk. baatur. Ukrainisch — lytzar, wytjas
- karaul (Wache) — aus türk. qaraul. Ukrainisch — warta
Was die ukrainische Sprache bewahrte
| Merkmal | Urslawisch | Ukrainisch | Russisch |
|---|---|---|---|
| Vokativ | Vorhanden | Ja (Ivane! Bozhe!) | Nein |
| Plusquamperfekt | Vorhanden | Ja | Nein |
| Frikativ [h] | Vorhanden | Ja | Durch Plosiv [g] ersetzt |
| Klares „o” | Vorhanden | Ja | Reduziert (Akanje) |
| „Ja maju” (Ich habe) | Vorhanden | Ja | „U menja jest” |
Kirchenslawisch ≠ Russisch
Das Altkirchenslavische wurde von Kyrill und Method im 9. Jahrhundert auf Basis südslavischer Dialekte (Altbulgarisch/Altmazedonisch) geschaffen. Es war nie die Umgangssprache der Moskauer oder Kiewer Bevölkerung.
Im 17.–18. Jahrhundert wurde das literarische Russisch bewusst massiv mit Kirchenslawismen angereichert. Ergebnis: modernes Schriftrussisch ist eine Mischung aus dem Moskauer Dialekt (mit finno-ugrischem Substrat) und dem Kirchenslawischen (Altbulgarisch).
Fazit
Die russische Sprache ist keine „reine slawische Sprache” und nicht der „direkte Erbe der altrussischen Sprache”. Sie entstand aus:
- Einem finno-ugrischen Substrat — auf Gebiet, wo Slawen die lokale Bevölkerung assimilierten
- Einem türkischen Superstrat — 240 Jahre unter der Goldenen Horde
- Künstlicher Kirchenslawisierung — bewusste Anreicherung mit altbulgarischem Wortschatz
Ukrainisch entwickelte sich hingegen innerhalb des slawischen Sprachkontinuums und bewahrte archaische urslawische Merkmale.
Die Behauptung, „Ukrainisch ist ein Dialekt des Russischen”, ist daher linguistischer Unsinn. Gemessen an der Zahl bewahrter urslawischer Merkmale ist Ukrainisch weit mehr „slawisch” als Russisch.
Quellen
- Shevelov G.Y. «A Historical Phonology of the Ukrainian Language» (1979) — Carl Winter Universitätsverlag
- Sussex R., Cubberley P. «The Slavic Languages» (2006) — Cambridge University Press
Verwandte Artikel
Die ukrainische Sprache ist kein 'Dialekt des Russischen'
Widerlegung des Mythos, Ukrainisch sei ein 'Dialekt'. Linguistische Forschung bestätigt die eigenständige Entwicklung des Ukrainischen seit der urslawischen Zeit.
Die Kiewer Rus — das ist nicht Russland
Widerlegung des Mythos, die Kiewer Rus sei die «Wiege Russlands». Wissenschaftliche Quellen beweisen, dass die Rus ein eigenständiger mittelalterlicher Staat mit dem Zentrum in Kyjiw war.
Der Name „Rus" ist ukrainisch, nicht russisch
Widerlegung der russischen Aneignung des Namens 'Rus'. Historische Quellen beweisen: 'Rus' ist das Kiewer Land, während Moskau den Namen 'Russland' erst im 18. Jahrhundert übernahm.
Verbote der ukrainischen Sprache: 400 Jahre Zerstörung des Wortes
Eine vollständige Chronologie der Verbote der ukrainischen Sprache: von 1627 bis zur Sowjetzeit. Das Valuev-Zirkular, das Emser Dekret, die Erschossene Renaissance und andere Phasen ihrer Zerstörung.